Fragen und Antworten

KindEs folgen einige oft gestellte Fragen zum Thema Lese-Rechtschreib-Probleme und unsere Antworten.


Woran merke ich, ob mein Kind Lese-Rechtschreib-Probleme hat?

Es gibt eine ganze Reihe von Auffälligkeiten, die auf Lese-Rechtschreib-Probleme hinweisen. Hier sind einige typische Merkmale:

  • Das häufige Verwechseln von Buchstabenfolgen (aus Brot wird Bort)
  • Fehlende oder falsche Endungen beim Lesen (lieben statt lieber, Fähigkeit statt Fähigkeiten)
  • Weglassen von Buchstaben beim Schreiben
  • Spiegelbildliches Schreiben von Zahlen oder Buchstaben (31 ? 13, b ? d, ei? ie)
  • Ungewöhnlich viele Wörter werden falsch geschrieben
  • Das Kind rät eher, als dass es liest
  • Schlechtes oder fehlerhaftes Hören von Einzellauten in Wörtern
  • Häufiges undeutliches oder ungenaues Sprechen
  • Längere Wörter können nicht nachgesprochen werden
  • Abneigung gegen Lesen oder Schreiben
  • Schlechte Ergebnisse beim Lesen oder Schreiben, aber ansonsten mindestens durchschnittliche Leistungen
  • Das Kind ist im Rechnen gut, hat aber Probleme mit Textaufgaben
  • Kleinerer Wortschatz beim Schreiben als beim Sprechen
  • Häufige motorische Unruhe und Ablenkbarkeit
  • Häufige Lustlosigkeit bei Hausaufgaben, bei denen gelesen oder geschrieben werden muss
  • Vermehrtes Üben führt zu keiner spürbaren Verbesserung
  • Niedrige Lesegeschwindigkeit
  • Häufiges Stocken beim Lesen
  • Verlieren der Zeile im Text
  • Auslassen, Vertauschen oder Hinzufügen von Wörtern, Silben oder einzelnen Buchstaben beim Lesen
  • Das Gelesene kann zum Teil nur unzureichend wiedergegeben bzw. interpretiert werden

Weitere Informationen finden Sie hier.


Was kann ich tun, wenn ich vermute, dass mein Kind Lese-Rechtschreib-Probleme hat?

Wenn Sie mehrere der oben genannten Anhaltspunkte feststellen, sollten Sie mit Experten über Ihre Sorge sprechen. Ansprechpartner sind Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Schulpsychologische Dienst des Kreises, Kinderpsychologen, Erziehungsberatungsstellen und Legasthenieverbände. Oder Sie vereinbaren einen Gesprächstermin in unserer Lese-Rechtschreibpraxis.


Was ist „lautgetreu“?

Als lautgetreue Buchstaben bezeichnet man diejenigen, die einem bestimmten Laut in der Schriftform am häufigsten entsprechen. Hört man beispielsweise ein /f/, schreibt man meistens „f“. Ein „V“ wie in „Vater“ stellt also die nicht lautgetreue Ausnahme dar und kommt erst vor, wenn das Kind das Prinzip /f/ = „f“ verinnerlicht hat.
Ein Wort nennen wir dann lautgetreu, wenn in seiner Verschriftung alle Einzellaute den nach diesem Prinzip zugeordneten Buchstaben entsprechen.


Warum soll mein Kind einen Lese-Rechtschreib-Test machen?

Durch die Auswertung der Testleistung wird deutlich, wo ihr Kind steht. Wir erfahren, welche Schritte ihr Kind in der Entwicklung seiner Lese- und Rechtschreibfähigkeiten bereits vollzogen hat und an welcher Stelle die Probleme beginnen. Genau dort muss eine Erfolg versprechende Förderung ansetzen.
Wir wissen dann auch, ob die klassische Deutsch-Nachhilfe ausreicht oder aber, in welchem Umfang ihr Kind eine therapeutische Begleitung benötigt, und können ein Förderprogramm speziell auf ihr Kind abstimmen.


Wie erfolgt eigentlich der Erwerb der Schriftsprache?

Der Schriftspracherwerb lässt sich durch folgende Stufen beschreiben

1. logographische Stufe (vor allem beim Lesen wichtig)

Auf dieser Stufe wird erfahren, dass Buchstaben eine bestimmte Form haben, wodurch sie sich unterscheiden. Wörter unterscheiden sich dementsprechend durch verschiedene Buchstabenkombinationen. Eine Kenntnis, dass ein und derselbe Buchstabe je nach Wort für verschiedene Laute stehen kann, liegt dagegen noch nicht vor (z.B. „E“ in „Ente“ klingt wie ein „ä“, in „Esel“ dagegen wie ein „e“). Aufgrund von augenfälligen Merkmalen wie Anfangsbuchstaben, Wortlänge usw. werden Wortnamen gemerkt.

2. phonetische Stufe / Phonem-Graphem-Korrespondenz

Auf dieser Stufe erkennen die Kinder, dass nicht die Buchstabennamen (z.B. em für „m“) beim Lesen relevant sind, sondern die Laute. Zunächst Einzelschriftzeichen (Grapheme) lautierend, werden zunehmend auch Graphemfolgen (zwei, drei, vier Grapheme) gleichzeitig erfasst. Das Verständnis für den Zusammenhang von Schriftzeichen (Graphemen) und Lauten (Phonemen) wird nun erworben. Mittels Lautanalyse des gesprochenen Wortes kommen die Kinder nun zu lautgetreuen Verschriftungen (z.B. Foia für Feuer), die allerdings oft nicht der „richtigen“ Schreibung entsprechen.
Um den Kindern das Schreiben- und Lesenlernen erleichtern, arbeiten wir auf dieser Stufe nur mit Wörtern, die eine eindeutige Zuordnung von Laut zur (richtigen) Schreibung ermöglichen, den „lautgetreuen“ Wörtern.

3. Regel-Rechtschreibung (regelmäßige Abweichungen von der Lauttreue)

Das bisher erworbenes Wissen wird nun noch um orthographisches Regelwissen ergänzt. Regelhafte Schreibungen (Prinzip der Wortfamilie, Groß- und Kleinschreibung, …) müssen gelernt werden. Es gilt also die Fähigkeit zu entwickeln, nicht lautgetreue Wörter richtig schreiben zu können, indem man sich Regeln bewusst macht.
Hier wird die Buchstabenebene des Wortverständnisses verlassen. Wörter werden zunehmend an ihren Bausteinen (Morphemen) erkannt. Dies sind z.B. Anfangs- und Endbausteine (Vor- und Nachsilben), Endungen, Wortstämme. Erkennt man die Wortbedeutung und kann die Wortstruktur analysieren, so kann man sich strittige Punkte beim Schreiben selbst herleiten. Das Erkennen und Verlängern des Wortstamms ist auf dieser Stufe die wichtigste neue Rechtschreibstrategie („Unkenntlichkeit“ besteht aus dem Anfangsbaustein „Un“, den Endbausteinen „lich“ und „keit“, der Endung „t“ und dem Wortstamm „kenn“. Nun kann ich diesen verlängern zu „kennen“ und so das Doppel-n beweisen.).

4. Speicher-Rechtschreibung

Einige Wörter oder Wortteile entziehen sich sogar einer lautlichen Regelmäßigkeit. Ihre Schreibung muss auswendig gelernt und jeweils aus dem Gedächtnis abgerufen werden (Fuchs mit „chs“, aber Jux mit „x“).

5. sonstige Regeln

Hier kommen weitere Inhalte hinzu, die vor allem beim Schreiben von Sätzen bedeutsam sind (Zeichensetzung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Nominalisierung, wörtliche Rede, usw.)

Auf jeder dieser Stufen sind spezifische Fehler möglich, die für Defizite im jeweiligen Strategiebereich kennzeichnend sind. Diese Fehler lassen sich kategorisieren. Die Fehler rechtschreibschwacher Kinder manifestieren sich überwiegend auf der alphabetischen Stufe oder in der Regel-Rechtschreibung. Jede Strategiestufe baut auf den vorangehenden auf, so dass eine Erfolg versprechende Förderung immer auf der niedrigsten Stufe starten muss, auf der sich gehäuft Fehler zeigen.
Den aktuellen Stoff vermehrte zu üben wird im Allgemeinen ohne Aussicht auf Erfolg sein, solange ihr Kind über keinerlei Strategien zur Bewältigung dieser Probleme verfügt, die sich im Allgemeinen auf einer höheren Entwicklungsstufe befinden.


Welche Lernvoraussetzungen kann ich zu Hause fördern?

Alle. Durch eine erhöhte Aufmerksamkeit für die „Sinnesleistungen“ der Kinder, also die Fähigkeit zu hören, zu sehen, zu artikulieren usw. können Sie Schwierigkeiten früh erkennen und darauf reagieren, beispielsweise durch einen abklärenden Besuch beim Kinderarzt. Aber auch ein ruhiger, möglichst konzentrativer Lebensstil ohne allzu viele Reize, in dem Freizeitaktivitäten wie Sport, gemeinsames Spielen und Basteln Platz finden, fördert die Leistungen Ihres Kindes. Gerne werden wir Ihnen konkrete Hinweise geben, wie sie Ihr Kind in der Familie ganz beiläufig und spielerisch im Alltag fördern können.